Im Sommernachtstraum
Eine zauberhafte Generalprobe
Eine Gruppe von Jugendlichen probt das Theaterstück
von William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum.
Plötzlich erscheinen unerwartete Zuschauer: Puck, Elfen
und ihr Elfenkönig. Sie kommen aus einer anderen Welt.
Welche Botschaft bringen sie? Wieso tauchen sie auf?
Haben die Schauspieler zu intensiv geübt? Oder sind sie zur
wahren Bedeutung des Sommernachtstraums vorgedrungen?
Und sollte man sich lieber nicht in Puck, die Elfen
oder die Amazonen-Königin verlieben?
Die Bürgschaft
Schillers Ballade als Bühnenstück
Damons Attentat auf den Tyrannen-König Dionysios
misslingt. Damon wird zum Tod am Kreuz verurteilt.
Er bittet sich eine Frist aus, in der er seine Schwester Hera
verheiraten möchte. Als Bürgen für seine Rückkehr bietet
er seinen Freund Phintias an. Dionysios ist einverstanden.
Damon kehrt rechtzeitig zurück; doch er muss vorher
äußere und innere Widerstände überwinden.
Die Gespräche mit dem Gott Apollon helfen ihm dabei.
Die Bürgschaft. Hörprobe zum Mitlesen
Die Bürgschaft. Leseprobe
AKT I
SZENE 1
Damon sitzt auf einer Bank vor seinem Haus. Er
betrachtet den Sonnenaufgang. Seine Schwester Hera
setzt sich zu ihm.
HERA
Du solltest das nicht tun. König Dionysios wäre
auch meiner Meinung.
DAMON
Der hat Attentate genug überlebt. Ein Attentat mehr
oder weniger macht ihm nichts aus. Den schützen
die Götter. Sind Götter nicht gleichfalls Tyrannen?
Sie bestimmen unser Leben nach ihrem Gutdünken. Sie
lachen über uns, das schwache Menschengeschlecht.
Wenn sie uns einmal einladen an ihre Tafel das
endet nur übel für uns. Ihre rachsüchtigen
Gedanken verfolgen uns noch Generationen später. Sie
kennen keine Vergebung und achten uns nicht.
HERA
Du bist verbittert, das ist kein guter Start, um einen
Mord zu begehen. Sieh den schönen Sonnenaufgang
über Syrakus. Wir sind eine bevorzugte Stadt; die
schönste auf Sizilien und wohl auch in der gesamten
griechischen Welt. Karthago mag prächtiger sein.
Hamilkar hat Wasser geholt vom Brunnen und bleibt
bei ihnen stehen.
HAMILKAR
Karthago ist weitaus prächtiger. Aber vielleicht
erscheint es mir auch nur so, weil ich Karthago als
freier Mann erlebt habe. Syrakus kenne ich nur als
Sklave.
DAMON
Setze dich zu uns, Hamilkar. Du hast mehr von der Welt
gesehen als ich. Was sagt ein weitgereister Mann zu
meinem Vorhaben? Billigst du es?
Hamilkar setzt sich auch auf die Bank.
HAMILKAR
Du bist ein seltsamer Mann, Damon. Deine Sklaven
behandelst du mit Hochachtung. Doch deinen Herrscher
willst du erdolchen.
HERA
Ich will in zwei Tagen heiraten. Wer bringt mich zu
meinem Bräutigam? Ich habe nur dich, Damon. Die Reise
ist beschwerlich; Räuber lauern mir auf. Soll ich
Räuberbanden alleine besiegen, nur weil du damit
beschäftigt bist, König Dionysios zu erdolchen?
DAMON
Ich überlege noch, ob erdolchen angebracht ist.
Vielleicht wäre vergiften ratsamer. Hat aber etwas
Hinterhältiges. Meine Tat soll Befreiung bewirken,
die Demokratie wieder zum Leben erwecken in Syrakus.
HERA
Was ist mit meiner Hochzeit?
DAMON
Das Schicksal von einer Million Menschen steht auf dem
Spiel hier in Syrakus
HERA
Dann erdolch Dionysios doch später.
DAMON
Er wechselt gerade viele Männer in seiner Leibwache
aus. Die Gelegenheit ist günstig. Ich werde mich
verkleiden als Leibwächter. Keinem wird es auffallen.
So komme ich unbemerkt an ihn heran. Tausend
Leibwächter hat er. Er ist eine uneinnehmbare Burg.
Die Zugbrücke ist heruntergelassen für kurze Zeit:
ich marschiere hindurch gut getarnt, unerkannt. Denke
an das trojanische Pferd. Das brachte den Sieg.
HAMILKAR
Wie will das trojanische Pferd wieder hinauskommen? Sie
werden es in Stücke hauen. Ich kenne mich mit Pferden
aus. Ich könnte das Pferd beschützen.
Damon steht auf und legt seine Hand auf Hamilkars
Schulter.
DAMON
Zwei neue Leibwächter fallen eher auf als einer.
Überraschung und Verkleidung das sind meine
Vorteile.
HERA
Meine Hochzeit ist mir egal. Aber du bist mir nicht
egal. Du sollst leben. Wir haben unsere Eltern früh
verloren. Du bist mein einziger Bruder alles was
ich habe. Opfere dein Leben nicht für einen Tyrannen.
Die Götter heißen es nicht gut. Du sagst selbst,
sie beschützen Dionysios. Stehen ihm bei. Behüten
und bewachen ihn. Der mutigste Held hat keine Chance
gegen die Götter. Sprich mit Apollon. Gehe in seinen
Tempel und höre, was er dir rät.
Damon geht hin und her.
DAMON
Ich will mit Apollon sprechen. Mag sein, ich bin im
Irrtum. Ist es klug, was die Götter sich ausdenken
und planen? Irren Götter niemals? Doch wessen Vorteil
erstreben sie dabei? Gleichgestellt sind wir ihnen
nicht. Beachten sie unsere Interessen in irgendeiner
Art? Oder sind sie gleichgültig wie der Wind, der
über ein Schlachtfeld weht nach beendeter Schlacht.
Den Wind rührt nicht das Stöhnen der Verletzten.
Ihr Schmerz ist nicht der seinige.
Hera umarmt Damon.
HERA
Ich bin nicht das Orakel von Delphi. Ich kenne nicht
die Zukunft. Aber du selber gestaltest die Zukunft
durch deine Taten und auch durch deine Gedanken. Lasse
Apollon dir in deinen Gedanken Bilder zeigen von dem,
was die Götter wünschen. Berücksichtige es, wenn
du handelst.
SZENE 2
Damon kniet im Apollontempel vor der großen
Statue des Apollon. Damon ist alleine im Tempel.
DAMON
Ich lege kein Opfertier auf deinen Altar. Ich bin
Pythagoreer musst du wissen. Die Tiere sind unsere
Freunde. Wir opfern sie nicht, um den Kontakt
herzustellen zu euch Göttern. In Freundschaft wären
wir auch gerne verbunden mit euch, ihr allmächtigen
Götter. Doch Harmonie in dieser Welt wo ist sie?
Ist sie so weit verloren gegangen, dass niemand sie
mehr wiederfinden kann? Sollten wir Herkules
beauftragen mit dieser Aufgabe? Ich glaube, das wäre
selbst für ihn nicht zu schaffen. Ein paar Äpfel
klauen aus den Gärten der Hesperiden. Die Welt für
eine Zeitlang tragen anstelle von Atlas das sind
Kleinigkeiten. Doch die Harmonie und die Freundschaft
in diese Welt zu bringen sieh dich um, Apollon:
Kriege, wir versklaven einander; schaden uns, so gut
wir nur können. Pythagoras war ein Träumer. Aber
ich brauche seinen Traum. Ich brauche Hoffnung, dass es
anders sein kann, dass wir Menschen fähig sind zu
lieben. Nicht nur eine oder zwei Personen, sondern die
Welt als Ganzes. Ihre Schönheit erkennen; und ihre
Würde nicht verletzen jeden Tag aufs Neue durch
Feindseligkeit gegen uns selbst und gegen unsere
Mitmenschen. Hier rede ich von Freundschaft und
plane meinen König zu ermorden. Dich frage ich gar um
Rat. Wie könntest du das gutheißen.
Eine Stimme ertönt aus der Richtung der
Apollonstatue.
APOLLON
Du bist frei. Ich nehme dir die Entscheidung nicht ab.
Du wirst gerichtet werden für sämtliche deiner
Taten. Verteidige dich, habe Beweggründe mag sein,
die ewigen Richter sehen dich im Recht. Doch opfere
nicht das Kleine für das Große. Ein großes,
hehres Ziel rechtfertigt nicht das Unrecht, was du
dafür begehst. Nicht dadurch bist du gerechtfertigt.
Denn jegliches Unrecht wäre damit gut. Ein höheres
Ziel gibt es immer, ist immer denkbar.
Damon ist aufgesprungen und sieht zu der
Apollonstatue empor.
DAMON
Du sprichst mit mir! Du würdigst mich einer Antwort.
APOLLON
Vielleicht antwortest du dir selbst? Hörst deine
Stimme als die meinige. Wie willst du wissen, dass ein
Gott zu dir spricht? Nun denn, so höre, was ich
dir zu sagen habe, wer auch immer ich sei. Deine Tat
wird etwas verändern. Doch wirst du nicht vollenden
können, was du dir vorgenommen hast.